Trinkwassernetze zählen zur Kritischen Infrastruktur und sind eine der wichtigsten Grundlagen für das gesellschaftliche Leben. Dennoch werden sie häufig unterschätzt – bis es zu Störungen kommt. Aktuelle Ereignisse wie der mehrtägige Stromausfall in Berlin zeigen, wie verletzlich selbst moderne Großstädte sind und welche Folgen der Ausfall zentraler Versorgungssysteme haben kann.
Dieser Beitrag erläutert, warum Trinkwassernetze als Kritische Infrastruktur gelten, welche Risiken bestehen und wie moderne Überwachungslösungen helfen, Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.
Kritische Infrastrukturen sind Systeme, deren Ausfall oder Beeinträchtigung erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit, die Gesundheit der Bevölkerung und die wirtschaftliche Stabilität hätte. Neben Energie, Verkehr und Telekommunikation gehört auch die öffentliche Trinkwasserversorgung zu diesen besonders schützenswerten Bereichen.
Ohne eine funktionierende Wasserversorgung sind Hygiene, medizinische Versorgung, industrielle Prozesse und der Brandschutz nicht mehr gewährleistet. Trinkwasser ist damit keine Selbstverständlichkeit, sondern eine zentrale Lebensgrundlage.
Der jüngste Stromausfall in Berlin hat eindrücklich gezeigt, wie schnell Kritische Infrastruktur an ihre Grenzen geraten kann. Zeitweise waren bis zu 50.000 Einwohner über mehrere Tage hinweg ohne Strom. In vielen Haushalten funktionierten weder Heizung noch Warmwasser, auch Kommunikation und Mobilität waren eingeschränkt.
Dieses Ereignis macht deutlich, wie abhängig moderne Städte von stabilen Versorgungssystemen sind. Noch gravierender wären die Folgen eines vergleichbaren Ausfalls im Trinkwassernetz. Während ein Stromausfall oft zeitlich begrenzt ist, hätte eine Störung der Wasserversorgung unmittelbare Auswirkungen auf Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Industrie und Feuerwehr.
Im Gegensatz zu Stromnetzen bleiben Schäden im Trinkwassernetz häufig lange unentdeckt. Leckagen entstehen unterirdisch, Wasser geht verloren, ohne dass es sichtbar austritt. Gerade in vielen Städten sind die Netze Jahrzehnte alt und stark beansprucht.
Schleichende Wasserverluste, Druckschwankungen und Materialermüdung führen langfristig zu sinkender Versorgungssicherheit und steigenden Kosten. Häufig werden Probleme erst erkannt, wenn es zu Rohrbrüchen oder akuten Störungen kommt. In solchen Fällen ist schnelles Handeln notwendig, was hohe Reparaturkosten und Versorgungsunterbrechungen zur Folge haben kann.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die technische Abhängigkeit von Strom. Pumpen, Druckregelstationen sowie Mess- und Überwachungssysteme benötigen elektrische Energie. Fällt der Strom aus und fehlt es gleichzeitig an Transparenz über den Zustand des Trinkwassernetzes, kann sich eine Störung schnell zu einer ernsthaften Versorgungskrise entwickeln.
Gerade deshalb ist es entscheidend, den Zustand des Netzes kontinuierlich zu kennen und Risiken frühzeitig zu erkennen.
Moderne Technologien ermöglichen es heute, Trinkwassernetze dauerhaft zu überwachen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Systeme wie SmartEAR® erfassen kontinuierlich akustische Signale im Rohrnetz und machen selbst kleinste Leckagen hörbar. Diese werden erkannt, lange bevor sie an der Oberfläche sichtbar werden oder größere Schäden verursachen.
Die gewonnenen Daten werden zentral in der POSEYEDON® Cloud zusammengeführt und analysiert. Dadurch entsteht ein transparenter Überblick über den Zustand des Trinkwassernetzes. Auffälligkeiten lassen sich über längere Zeiträume hinweg bewerten und gezielt priorisieren.
Für die präzise Lokalisierung von Schadstellen vor Ort kommen ergänzend professionelle Leckortungssysteme wie der HL 7000 zum Einsatz. So können Reparaturen geplant und effizient durchgeführt werden, anstatt im Notfall reagieren zu müssen.
Der Stromausfall in Berlin sollte als Mahnung verstanden werden. Kritische Infrastruktur darf nicht erst dann Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie ausfällt. Das Trinkwassernetz ist ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge und verdient entsprechende Priorität.
Eine transparente, kontinuierlich überwachte Wasserversorgung ist entscheidend für Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und den Schutz einer unserer wichtigsten Ressourcen. Moderne Technologien zur Netzüberwachung und Leckortung leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.
Der wesentliche Unterschied zwischen Strom- und Wasserausfällen liegt in der Vorhersehbarkeit. Viele Probleme im Trinkwassernetz kündigen sich frühzeitig an, wenn das Netz überwacht wird. Eine kontinuierliche Überwachung reduziert Wasserverluste, erhöht die Versorgungssicherheit und entlastet das Betriebspersonal.
Darüber hinaus lassen sich Investitionen besser planen, da Sanierungsmaßnahmen gezielt dort erfolgen können, wo sie tatsächlich notwendig sind. Das stärkt nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern auch die Resilienz der Kritischen Infrastruktur.
Über den Author
Frank Böttinger
Frank Böttinger ist Category Manager Marketing bei SebaKMT®. Er beschäftigt sich aus Überzeugung mit dem Schutz unserer Trinkwassernetze und der Frage, wie Kritische Infrastruktur auch in Zukunft zuverlässig funktionieren kann. Ihn treibt die Motivation an, Wasserverluste sichtbar zu machen, Versorgungssicherheit zu stärken und technische Lösungen verständlich zu erklären, damit Probleme nicht erst dann erkannt werden, wenn es bereits zu spät ist.